Warum feiern Christen eigentlich das Heilige Abendmahl?


Sowohl mit seinen Jüngern, Freunden und Anhängern, als auch mit Pharisäern, Zöllnern und anderen Menschen hat Jesus sich immer wieder an einen Tisch gesetzt. Damit wollte ER sagen: So wie ich euch meine Gemeinschaft hier an diesem Tisch anbiete, so bietet auch Gott euch seine Gemeinschaft an. Wer Ihr auch seid, IHM seid Ihr willkommen.
Am Abend vor seiner Gefangennahme im Garten Gethsemane und seiner Hinrichtung am Kreuz feierte Jesus mit seinen Jüngern (und möglicherweise auch noch weiteren Freunden, darunter auch Frauen) das Passa. Dieses große jüdische Fest erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und ist mit einer festlichen Mahlzeit verbunden. Juden in aller Welt feiern es bis heute.
Jesus wußte, daß ER sterben mußte. Auch zu seinen Jüngern hatte ER einige Male davon gesprochen und ihnen sein Leiden angekündigt (zum Beispiel Mt 16,21, Mk 9,31 oder Lk 9.44), ohne daß sie IHN wirklich verstanden hätten. Nun wollte ER die enge Gemeinschaft mit ihnen noch einmal bekräftigen und zugleich auf den eigentlichen Sinn seines Todes hinweisen.

Was macht das Heilige Abendmahl so kostbar für uns Christen?
"Brot des Lebens" – Hostien aus Neuendettelsau...

Evangelisch – Katholisch: Was uns beim Heiligen Abendmahl wirklich unterscheidet...

Gleich viermal findet sich der Bericht von diesem letzten Abendmahl im Neuen Testament: bei Matthäus, Markus und Lukas und im 1. Brief des Apostels Paulus an die Christen der Gemeinde von Korinth.
Der Evangelist Johannes hat in Kapitel 13 einen eigenen Bericht von jenem letzten Abend. Darin erwähnt er das Mahl nur am Rande, erzählt dafür aber um so ausführlicher davon, wie Jesus seinen Freunden die Füße wusch – zum Zeichen dafür, daß ER gekommen war, um zu dienen, nicht zu herrschen.

Der Bericht des Paulus dürfte der älteste von allen sein. Dort lesen wir: In der Nacht, in der unser Herr Jesus Christus verraten wurde, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s seinen Jüngern und sprach: "Nehmt hin und eßt! Das ist mein Leib, der für Euch gegeben wird. Das tut zu meinem Gedächtnis!"

Ebenso nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl und dankte und gab ihnen den und sprach:
"Nehmt hin und trinkt alle daraus! Dieser Kelch ist das Neue Testament in meinem Blut, das für Euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das tut, so oft Ihr davon trinkt, zu meinem Gedächtnis!" (1. Kor 11,23-26)

Seither feiern Christen aller Konfessionen auf der ganzen Welt das Heilige Abendmahl: "zu seinem Gedächtnis" und "zur Vergebung der Sünden". Das Abendmahl ist ein "Sakrament" (= "Mittel zum Heil"). Das heißt: Jesus selbst hat es – wie die Taufe ja auch – eingesetzt. Und: es versöhnt uns, wenn wir es im Glauben empfangen, mit Gott. Es macht unser Leben "heil".
Christen feiern das Heilige Abendmahl in den verschiedensten FORMEN und an allen erdenklichen Orten: Sie stehen im Kreis um den Altar oder treten einzeln vor den Pfarrer / die Pfarrerin. Sie sitzen an Tischen oder knien nieder. Sie empfangen Brot und Wein mit einem Löffelchen (aus der Hand eines Priesters (in den orthodoxen Kirchen des Ostens) oder reichen die Gaben von einem zum anderen weiter, je nachdem, welchen gottesdienstlichen Traditionen sie folgen.
Sie benutzen Gefäße aus Ton oder Zinn, Edelstahl, Gold oder Silber. Sie feiern in modernen Kirchen und altehrwürdigen Kathedralen, Zelten oder Wellblechhütten, Privatwohnungen, Krankenhäusern, Altenheimen und Fußballstadien. Sie verwenden dünne Hostien oder kräftiges Brot, weißen oder roten Wein. Dazu singen sie festliche Liturgien oder beschränken sich auf wenige Worte.

  • Immer aber ist es derselbe auferstandene Herr, der sich uns in Brot und Wein selbst mitteilt, der uns schuldige und beladene Menschen an seinen Tisch bittet, wie wir sind, und nicht müde wird, uns immer wieder neu einzuladen: "Laßt Euch versöhnen mit Gott!"

  • Immer geschieht es auf seine Weisung hin und zu seinem Gedächtnis, das heißt: zur Erinnerung daran, was ER durch sein Leiden und Sterben am Kreuz für uns getan hat.

  • Und immer ist es derselbe umfassende Friede, den wir hier im Glauben empfangen, Vergebung unserer Schuld, Heil und Versöhnung, Trost und Ermutigung für unser Leben als Christen.

Manchmal sprechen wir statt vom "Abendmahl" auch vom "Herrenmahl" oder "Mahl des Herrn". Auch das erinnert daran, auf wen diese Feier zurückgeht und wer auch heute der eigentliche Gastgeber dabei ist, nämlich kein Pfarrer, kein Bischof und keine Kirche, sondern einer allein: Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Herr. Deswegen hat auch kein Pfarrer, kein Bischof und keine Kirche das Recht, gewissermaßen mit dem "Rotstift" auf der "Gästeliste" herumzustreichen und Menschen oder gar ganze Kirchen auszuschließen.

Wieder eine andere Bezeichnung für dieselbe Sache ist "Eucharistie". Manche meinen, das sei "katholisch". Aber das stimmt nicht. Das Wort kommt vom griechischen "eucharistein" (= "danken" oder "preisen"). Es meint das große Dankgebet, das den Höhepunkt der Abendmahlsfeier bildet. "Eucharistie" ist der weltweit in fast allen Kirchen gebräuchliche und damit sozusagen "ökumenische" Begriff für das, was bei uns in den evangelischen Kirchen in Deutschland "Abendmahl" heißt.

Das Gleiche gilt für den Begriff "Kummunion". Er kommt aus dem Lateinischen ("communio") und heißt auf deutsch ganz einfach "Gemeinschaft". Im engeren Sinn meinen wir damit die Stelle, wo die Gemeinde Brot und Wein empfängt. Im weiteren Sinn kann es aber auch die gesamte Feier bezeichnen. Mit "evangelisch" oder "katholisch" hat das gar nichts zu tun. Denn, daß der auferstandene Herr uns im Heiligen Mahl seine Gemeinschaft schenkt und auch uns zu einer Gemeinschaft zusammenfügt bzw. unsere Gemeinschaft stärkt, darüber sind sich alle christlichen Kirchen einig.
Wenn wir das Heilige Abendmahl feiern und Brot und Wein, Christi Leib und Blut, empfangen, dann wissen wir: Das ist noch nicht alles. Da kommt noch etwas. Dieser Altar steht stellvertretend und zeichenhaft für den Tisch, den Gott uns einmal in der Ewigkeit bereiten wird.
Menschen aller Zeiten und Orte werden dort zusammenkommen, aus allen Teilen der Welt, aus allen Völkern, Sprachen, Rassen und Kulturen. Für jeden, der sich hier einladen läßt, ist auch dort ein Platz gerichtet. Und wahrscheinlich können wir uns auch auf so manche Überraschung gefaßt machen. Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken....

ER lädt uns ein, in Ewigkeit mit IHM zu leben. Aber auf dieses Leben müssen wir nicht bis zum "Jüngsten Tag" warten. Es kann bereits jetzt und hier beginnen, wenn wir Gottes herrliche Einladung annehmen, uns von IHM beschenken lassen und in seinem Geist denken, reden und handeln.


Was gehört unbedingt zum Abendmahl dazu?

  • Einer / eine, der / die es austeilt, denn man kann es sich eigentlich nicht selber geben
  • Einer / eine, der / die es empfängt, denn zur Gemeinschaft gehören mindestens zwei
  • Brot und Wein, denn so hat auch Jesus in jener letzten Nacht mit seinen Jüngern gefeiert
    Die Einsetzungsworte ("In der Nacht, in der unser Herr Jesus Christus....")
  • Der Glaube, daß der auferstandene Herr Jesus Christus wirklich in, mit und unter Brot und Wein unter uns gegenwärtig ist und uns seine Vergebung und seinen Frieden schenkt


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Pfarrer Harald Höschler • Evang. Pfarramt Bruckmühl
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Update am 17.2
.2012